Mal Bergschuhe, mal High Heels

Urlaub, endlich! Der Terminkalender wandert in die unterste Schublade, der Koffer meiner Frau ins Autoheck. Der fühlt sich an, als hätte sie Ziegelsteine eingepackt. Auf meinen fragenden Blick antwortet sie nur mit ihrem ureigenen verschmitzten Lächeln.

Auf Entdeckungsreise, fertig, los!

Urlaub bedeutet für mich nicht Nichtstun, sondern „etwas anderes tun als sonst immer“, wie meine Frau immer gerne ergänzt. Und wenn sie das sagt, dann sehe ich Herzchen der Vorfreude in ihren Augen, und dann macht auch mein Herz immer einen Sprung. Wie den Ziegeln aus ihrem Koffer anzusehen ist – Liebesromane, Krimis und Fantasyromane – findet das „etwas anderes als sonst immer“ bei meiner Frau in ihrer Phantasievorstellung statt, draußen auf dem Liegestuhl, mit Sonnebrille, kühlem Drink und richtig fettem und zufriedenem Grinsen im Gesicht.
Nun, jedem das Seine. Mich zieht es eher raus in die Natur, und unsere Tochter ist ganz nach dem Papa geraten. Auf ins Abenteuer und rein in die Bergschuhe! Als erstes peilen wir die neuen Wanderwege an, die gleich neben dem Pranzagerhof an den Erdpyramiden vorbei zu den schönsten Plätzen und Wanderwegen auf dem Ritten führen. Bis die junge Dame jedes Gänseblümchen begrüßt und alle Erdpyramiden abgezählt hat, tun wir gut daran, mit der Schmalspurbahn zurück nach Oberbozen zu fahren, bevor die Nacht hereinbricht. Gut, dass wir die RittenCARD schon bei unserem ersten Ausflug gleich dabei hatten! Denn die ist ohnehin im Preis inbegriffen und Unternehmungslustige wie wir sparen sich damit eine ganze Menge: Die RittenCARD wird nämlich fast überall als Ticket oder Eintrittskarte angenommen.
Auf Entdeckungsreise, fertig, los!
Zwischen Knödelkunst und Avantgarde.

Zwischen Knödelkunst und Avantgarde.

Die kleine Gänseblümchenfreundin zieht eine Schnute. Mama hat nämlich endlich von ihren Büchern aufgesehen und für sich – und uns – beschlossen, dass sich der heutige Tag ganz ideal für eine Shoppingrunde mitsamt Museumsbesuch in Bozen eignet. Mein Gänseblümchen findet, dass es „Stadt ja ohnehin immer gibt“, Tiere hingegen nur, wenn man extra zu ihnen hinfährt. Eigentlich muss ich ihr recht geben, aber der alpin-mediterrane Mix, der die Stadt Bozen einfach einzigartig macht, hat für mich doch seinen Reiz ...
Da klopft plötzlich etwas ganz vehement an unsere Tür, das Mädchen aus der Nachbarwohnung stürmt herein und teilt uns ganz aufgeregt mit, dass sie zum Wolfsgrubener See fahren, Boot fahren, schwimmen, Eis essen, abends Pizza essen und so weiter und so fort und ob das Gänseblümchen doch bitte bitte mitkommen und gleich bei ihr übernachten darf. Mama schaut mich an, wieder Herzchen in den Augen. Diesmal sind die Herzchen nur für mich, und für: Kaffeetrinken auf dem Waltherplatz in trauter Zweisamkeit, Bummeln so lange wir wollen, endlich wieder Kunst in aller Ruhe betrachten, abends vielleicht noch was Nettes oben im Dorf unternehmen – und da steht unsere Kleine schon fix fertig mit ihren Badesachen, „ciao!!“ – und weg ist sie.

Stefan, 39, aus Stuttgart
Mehr