Was für ein Leben! Urlaub auf dem Bio-Bauernhof

Unsere Schlafmütze Max ist heute als erster auf. Der sonst immer morgenmuffelige junge Mann saust wie der Wind aus der Wohnung, holt den Frühstückskorb, knallt ihn auf den Tisch und fordert: „Butterbrot mit Heidis Erdbeermarmelade, schnell“. Verdutzt streiche ich ihm das Brötchen, er nimmt es und schwupps, ist er schon hinausgerannt. „He, warte mal, junger Mann!“, doch Max hört nichts mehr und düst schon im Pyjama über den Hof. Auch egal, denke ich mir, im Stall zieht er sich ohnehin seinen „Toni“ und die Stiefel über, um für seine Aufgabe „perfekt gekleidet“ zu sein. Heute darf Max nämlich ganz allein die Kaninchen versorgen: füttern, Stall ausmisten und alles, was dazugehört. Wie stolz er davon erzählt hat, dass ihm Heidi für einen ganzen Tag die alleinige Verantwortung für die Mummelnasen übertragen hat.

Vom Stall in die Hexnkuchl. Während wir – einmal ohne Kinder „nur wir beide“– in aller Ruhe frühstücken, fällt mir auf, dass ich mich auch schon riesig freue. Gegen Mittag werden wir nämlich gemeinsam mit Heidi auf Wildkräuterjagd gehen, den Kräuter- und Gemüsegarten genauer erkunden und dabei hoffentlich wie immer sehr viel Neues erfahren. In Heidis Koch- und Backstube gibt es anschließend noch einen Kräuter-Kochkurs. „Schreib dir ja alles auf“, ermahnt mich mein Liebster mit einem Augenzwinkern. Von meinen neuen Kochkünsten bin nämlich nicht nur ich restlos begeistert. Im Alltag denkt man oft gar nicht daran, wie schnell und einfach sich ganz köstliche Speisen zaubern lassen. Frisch und selbst gekocht schmeckt es doch am besten!

Kraft tanken auf heißem Sand und Porphyr. Der Pranzagerhof ist für mich nicht nur ein Bauernhof, auf dem man „einfach mal so“ Urlaub machen kann. Allein die naturbelassenen Wiesen, auf denen sich die kerngesunden Tiere vom Hof aus einer unglaublichen Vielfalt an Gräsern und Kräutern ihre „Lieblingshalme“ rauszupfen, stehen in keinem Vergleich zu den einförmigen Landschaften, auf denen der Mensch – und nicht die Natur – sich nach den Prämissen von Ertrag und Gewinnmaximierung entfaltet. Die Natur rund um den Pranzagerhof wirkt, wenn man das so sagen kann, entspannt und zufrieden. Ebenso ruhig, zufrieden und geerdet fühlt man sich auch als Mensch, wenn man sich ein wenig öffnet und sich darauf einlässt, diese Kostbarkeit der Natur in sich aufzunehmen. Einfach mal die Schuhe ausziehen, über den Barfußpfad laufen und die Kraft spüren, die im sonnengewärmten Porphyr und dem sandigen Boden dieses Fleckchens Erde steckt. Herrlich!

Und wieder ist ein Tag um. Max kommt mit stolzgeschwellter Brust und einer Urkunde in der Hand dahergelaufen. Er hat ein Stall-Diplom bekommen, für seinen vorzüglichen und respektvollen Umgang mit den Tieren vom Hof, „seinen“ Kaninchen. Das werden wir uns zuhause einrahmen.
Corinna, 38, Köln
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